Genitalverstümmelung
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Die Genitalverstümmelung (häufig Beschneidung genannt) ist in unserem Kulturkreis bekannt als Beschneidung von Knaben bei Muslimen und Juden sowie als Beschneidung von Mädchen vorzugsweise in Teilen Afrikas.
Besonders die Beschneidung der weiblichen Genitalien erregt große Aufmerksamkeit durch die "Betroffenheitsindustrie". Neu ist für viele die Tatsache, dass auch die Beschneidung der männlichen Genitalien weltweit zu zahlreichen Todesfällen führt oder lebenslanges Leid nach sich zieht. Während die männliche Beschneidung in der so genannten "Dritten Welt" vornehmlich eine rituelle Tradition darstellt, hat sich die Routinebeschneidung von Jungen gleich nach der Geburt in den nordamerikanischen Staaten inzwischen zu einer einträglichen Praxis entwickelt, von der unmittelbar und mittelbar eine ganze Anzahl von Arbeitsplätzen und Karrieren abhängen. Was den Medizinmann auf den Salomon-Inseln mit dem hypermodern ausgestatten Arzt in den USA verbindet: Beide vergehen sich ohne medizinische Indikation an Kindern. Es fehlt die medizinische Notwendigkeit, die nach deutschem Recht einen operativen Eingriff überhaupt erst straffrei stellt.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Kurz und knapp
- Überall, wo es weibliche Genitalverstümmelungen gibt, gibt es die männliche Form auch; umgekehrt gilt das nicht.[2]
- Gründe u. a.: Um für Frauen attraktiver zu sein, um sie besser befriedigen zu können.
- Männliche Genitalverstümmelung IST mit der weiblichen vergleichbar.
- Auswirkungen auf Psyche (Trauma), Sexualität und Gesundheit (Teil-/Komplettverlust des Penis, Tod)
- Extreme Formen sind wenig bekannt: Häuten des Penis, Zerquetschen eines Hodens
- Männliche Beschneidung als Waffe im "Krieg der Spermien" [3]
Aktuelle Situation
AKTUELLES: Jungendiskriminierender Gesetzentwurf 2. Quartal 2009
Er enthält bewusst Jungen den Schutz vor Genitalverstümmelung vor und fördert somit Gewalt gegen Jungen. Jungen werden damit weniger Menschenrechte zugestanden als Mädchen. Körperverletzungen an Mädchen erhalten damit einen eigenen Straftatbestand, Körperverletzungen an Jungen, bei denen dieselbe Argumentation greifen würde, werden ignoriert.
MANNdat-Schreiben an Bundestagsabgeordnete vom 07.06.2009 und Offener Brief gegen Beschneidungsgesetz vom 05.03.2010
Formen der Genitalverstümmelung
Die ersten drei Arten werden detailiert hier aufgeführt: Genitalverstümmelung (Tabelle)
- Zirkumzision Die Vorhaut wird ringförmig entfernt (teilweise oder vollständig).[4]
- Einschnitt (Inzision) Die Vorhaut wird ein- oder mehrmals eingeschnitten.
- Subinzision (Aborigines) Der Penis wird unterseitig so tief eingeschnitten, so dass die Harnröhre längs aufgeschnitten ist (teilweise oder vollständig). Es können sich ausgedehnte Infektionen bilden, die nicht selten tödlich enden.
- Einnähen von Metallglöckchen in die Haut (Indien) Dadurch sollen die Männer Frauen besser befriedigen können.
- Einnähen von Bambus- oder Metallkugeln (Ampallangs) in Eichel oder Penisschaft (Indonesien, Korea, Ureinwohner von den Philippinen) Dadurch soll die Klitoris der zukünftigen Partnerin besser stimuliert werden.
- Häuten des Penis (Dowayos in Kamerun)[5]
- Zerquetschen eines Hoden (manche afrikanische und mikronesische Völker)[6]
Zahlen
- In der Türkei werden pro Jahr ca. 1,5 Mio. Jungen unfreiwillig beschnitten.[7]
- In den USA werden ca. 57 % aller männlichen Neugeborenen kurz nach der Geburt routinemäßig beschnitten (fallende Tendenz).[8]
- Steven Svoboda, ein an der US-Universität Harvard ausgebildeter Anwalt für Menschenrechte, schätzt, dass Jungen und Männer sechsmal so häufig Opfer von Genitalverstümmelung sind wie Mädchen und Frauen.[8]
- Die Zirkumzision stellt den weltweit am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriff dar, gegenwärtig sind schätzungsweise 25 Prozent der männlichen Weltbevölkerung beschnitten.[4]
Gängige Begründungen für eine Beschneidung
Ästhetisch
Manche können ja der Auffassung sein, dass ein beschnittener Penis attraktiver ist. Diese Meinung wird aber bei Weitem nicht von allen geteilt. Wenn der Junge erwachsen ist, sollte er selbst darüber entscheiden dürfen, ob etwaige Vorteile die Nachteile übertreffen. Eltern dürfen auch nicht die Ohren ihres Kindes abschneiden, auch wenn sie das schön finden.
Hygienisch
Smegma ist eine weiße, wachsartige Substanz, die sich unter der Vorhaut bilden kann. Sie besteht aus natürlichen Sekreten und abgeschuppten Hautzellen. Früher fürchtete man, dass Smegma krebserregend sein könnte, doch das wurde widerlegt. Gute Allgemeinhygiene und gesunder Menschenverstand sind der Schlüssel für das Verhüten von Infektionen und Krankheiten.[9] Ein beschnittener Penis lässt sich einfacher sauber halten. Ein unbeschnittener Penis lässt sich allerdings auch sauber halten: mit Wasser und Seife. Auch hier käme niemand auf die Idee, die Ohren eines Kindes abzuschneiden, nur weil sie dreckig werden können.
Vorhautverengung
Teilweise werden Beschneidungen begründet, da es später zu Vorhautproblemen kommen kann. Man wartet also nicht ab, ob der Eingriff überhaupt nötig ist, sondern schneidet vorbeugend. Auf die dumme Idee, eine präventive Brustabnahme bei Frauen durchzuführen, um einem eventuell auftretenden Brustkrebs vorzubeugen, kommt zu Recht niemand.
"Als medizinischer Grund für die operative Entfernung der Penisvorhaut wird in den allermeisten Fällen eine Phimose bzw. Vorhautverengung genannt. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich hierbei um einen entwicklungsphysiologisch völlig normalen Zustand handelt, der, solange er symptomfrei bleibt, eigentlich gar nicht behandlungsbedürftig ist. Erfahrungen aus den skandinavischen Ländern belegen eindeutig, dass sich die meisten kindlichen Vorhaut-"Probleme" (Verengung oder Verklebung) bis zur Pubertät von selbst erledigen." [10]
- "Eine Phimosenbehandlung mit Salbe ist in bis zu 95 % der Fälle erfolgreich."
- "Kann ein Eingriff vermieden werden, wenn der mit ihm bezweckte Erfolg auch anderweitig, mit weniger intensiven Maßnahmen erreicht werden kann, dann liegt der intensivere Eingriff nicht im Kindeswohl."[11]
Auch wenn die Phimose nur operativ behoben werden kann, ist eine Entfernung der Vorhaut oft nicht nötig. Bei modernen Verfahren bleibt die Vorhaut erhalten.
Gebärmutterhalskrebs/Peniskrebs
Peniskrebs ist eine extrem seltene Form von Krebs. Sie tritt meist bei älteren Männern auf und die meisten Ärzte empfehlen Säuglingsbeschneidung nicht als vorbeugende Maßnahme. Peniskrebs kann sowohl bei beschnittenen als auch bei intakten Männern auftreten: Im Rahmen der Maden Studie (eine noch laufende Studie zu Peniskrebs am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle) wurde beobachtet, dass 37 % der Peniskrebsfälle bei beschnittenen Männern auftreten.[9]
Es gibt "Behauptungen, dass sich das Vorkommen von Portiokarzinomen (Zervixkarzinomen) (Krebs des Gebärmuttermundesbzw. Gebärmutterhalses) bei der Frau nach Geschlechtsverkehr mit unbeschnittenen Männern durch Übertragung von Smegma häufte. Dieser Zusammenhang wurden von Forschern als wissenschaftlich nicht plausibel verworfen." [12]
Die Theorie, dass Ehefrauen von Männern mit intakten Vorhäuten anfälliger für Gebärmutterhalskrebs sind, ist widerlegt worden. Die Theorie, dass das Vorhandensein einer Vorhaut ein höheres Risiko für Geschlechtskrankheiten mit sich bringt, wurde in einer neuen Studie widerlegt.[9]
Unter 500 Männern waren die beschnittenen zu 23,4 % bis zu ihrem 32. Lebensjahr schon einmal von einer sexuell übertragbaren Krankheit betroffen, unbeschnittene zu 23,5 %.[13]
Einen gegenteiligen Effekt hat es, wenn sich beschnittene Männer vor AIDS sicher fühlen und auf Kondome verzichten.[14]
Funktionen der Vorhaut
- Schutzfunktion: Im Kleinkindalter schützt die verklebte Vorhaut die Eichel vor den Ausscheidungen in der Windel. Während des ganzen Lebens hält die Vorhaut die Eichel zart und feucht und schützt sie vor Trauma, Verletzungen, Umwelteinflüssen, Reibung und Austrocknung.
- Sexuelle Funktionen
- Die Vorhaut enthält zahlreiche empfindlichen Nervenendungen. Gemeinsam mit der sensiblen Oberfläche der Eichel bildet die innere Vorhaut, die bei einer Erektion zurückgezogen und nach außen gewendet ist, eine umfangreiche und hochsensible erogene Zone, die für eine normale, intensive Gefühlswahrnehmung bei Geschlechtsverkehr und Masturbation wichtig ist.
- Die Vorhaut verhindert durch einen speziellen Gleiteffekt unnötige Reibung beim Geschlechtsverkehr und steigert das Lustempfinden bei Mann und Frau.
- Immunsystem: Spezialisierte Zellen in der Vorhaut bilden Substanzen, die Krankheitserreger bekämpfen und abtöten können. Die Erforschung dieser Funktion steckt allerdings noch in den Kinderschuhen.
Folgen
Beeinträchtigung der Sexualität
Bei einer Zirkumzision wird die Vorhaut entfernt, welche normalerweise die sensible Eichel, die wichtigste erogene Zone des Mannes, umschließt und schützt. Ansonsten feucht und höchst sensibel, trocknet diese aus und überzieht sich mit einer neuen, dünnen Haut. Sie wird unempfindlicher. Neben der Desensibilisierung der Eichel fällt das sensible Vorhautgewebe selbst komplett als Lustspender weg. Wird die Vorhaut bis hinter die Eichel entfernt, entspricht das etwa einem Drittel der gesamten Haut am Penis. Das Frenulum (Vorhautbändchen) ist besonders dicht mit Nervenenden besetzt und wird bei den üblichen Formen der Beschneidung meist beschädigt oder komplett entfernt. In Summe wird die Selbstbefriedigung somit als weniger lustvoll erlebt. Der Schmerz bei der Prozedur wurde und wird teilweise als Strafe für eine "sündhafte" Selbstbefriedigung verwendet: John Harvey Kellogg: "Ein Mittel gegen Masturbation, welches bei kleinen Jungen fast immer erfolgreich ist, ist die Beschneidung. Die Operation sollte von einem Arzt ohne Betäubung durchgeführt werden, weil der kurze Schmerz einen heilsamen Effekt hat, besonders, wenn er mit Gedanken an Strafe in Verbindung gebracht wird." In manchen Fällen führt die Kombination dieser Effekte zu teilweise eklatanten sexuellen Einschränkungen.[1]
Für manche beschnittene Männer ist die Masturbation fast nur noch mit Hilfsmitteln (wie z. B. Gleitgel, Babyöl oder auch Speichel) möglich. Beim Geschlechtsverkehr fehlt das natürliche Gleiten des Penis in seiner Schafthaut, was das Eindringen erschweren kann. Durch das direkte Reiben an der Scheidenwand kann es Probleme bei einer Trockenheit der Scheide geben.
Posttraumatische Belastungsstörung
In einer in Boyle et al. (2002) beschriebene Studie wurden 1577 philippinische Jungen im Alter von 11 bis 16 Jahren vor und nach einer Beschneidung (die entweder mit oder ohne Lokalanästhetikum durchgeführt wurde) beobachtet. Vor dem Eingriff wurde sichergestellt, dass nur Jungen in die Studie aufgenommen wurden, die keine PTBS (nach DSM-IV) aufwiesen. Nach dem Eingriff konnte bei 50 % der mit Lokalanästhetikum und 69 % der rituell (ohne Lokalanästhetikum) beschnittenen Jungen eine PTBS nach DSM-IV Kriterien diagnostiziert werden.
Gesundheitliche Schädigungen
Bei der Subinzision: Die Unterseite des Penis wird gespalten. Folge: Der Samen fließt außerhalb des weiblichen Körpers herab, die Chancen einer Schwangerschaft sinken.[6]
Bevormundung
"Das wichtigste Argument gegen Beschneidung von Minderjährigen darf hier nicht außer Acht gelassen werden: Es ist ganz klar, dass dabei eine wichtige Entscheidung, die Auswirkungen u. a. auf die Sexualität hat, von Anderen getroffen wird, als dem Betroffenen selbst. In allen vergleichbaren Fällen (z. B. weibliche Beschneidung) herrscht weitgehender Konsens darüber, dass solche Praktiken unterbunden und ggf. bestraft werden sollten. Nur bezüglich der männlichen Beschneidung herrscht meist eine erstaunliche Toleranz und Akzeptanz. Erklären lässt sich diese ambivalente Sichtweise der Beschneidung abhängig vom Geschlecht wohl nur damit, dass Wissen über die Funktionen der Vorhaut wenig verbreitet ist, so dass viele (insbesondere Personen, die gar kein solches Körperteil haben, nämlich Frauen) glauben, eine Beschneidung bedeute keinen Verlust." [2]
Südafrika
53 Jungen starben im Jahre 2009 bis zum 15. August 2009 an den Folgen von unsachgemäßen Beschneidungen in Südafrika, während dreizehn Jungen Penis-Amputationen erlitten.[15] Austrocknung, Unterkühlung, Blutvergiftung, starke Blutungen und die Tatsache dass die meisten Jungen Hilfe erst dann suchen, wenn es schon zu spät ist, sind die häufigsten Todesursachen. Die Beschneidungen werden ohne Betäubungsmittel mit traditionellen Beschneidungswerkzeugen durchgeführt. Sehr viele Jugendliche mehr werden mit entzündeten oder verstümmelten Genitalien in die Krankenhäuser eingeliefert. Wundbrand hat bei manchen den Verlust der Eichel zur Folge. Dimaza: "Offenbar wurden einige sehr spät ins Krankenhaus gebracht, weshalb die Ärzte nichts mehr für sie tun können. Ihre Männlichkeit fällt einfach ab." [15] [16] [17]
In der Wintersaison 2008 (Die Beschneidungen finden zweimal im Jahr statt) starben 24 Jungen an den Folgen. 535 Jungen wurden in die Krankenhäuser eingeliefert - ein Junge mit einem fast abgetrennten, faulenden Penis.[18]
Der "Circumcision Act" bestimmt: keine Beschneidung an Jungen unter 16 Jahren und nur von ausgebildeten und zugelassenen Kräften.[19]
Extreme Formen
- Bei den Dowayos [in Kamerun] ist die Beschneidung ein sich lang hinziehender Vorgang. [...] Die Operation ist darauf angelegt, Furcht und Schrecken zu erregen. Die Jungen werden an einer rituellen Wegkreuzung bis auf die Haut ausgezogen und zum Wäldchen am Fluss geführt, wo die Beschneidung stattfindet. Unterwegs werden sie von den Beschneidern angesprungen, die wie jagende Leoparden knurren und sie mit dem Messer bedrohen. Die Operation ist sehr schmerzhaft, da der Penis fast in voller Länge abgeschält wird. Unter Umständen sind es mehrere verschiedene Beschneider, die jeder ein Stück von der Vorhaut abschneiden. Der Junge darf nicht schreien, aber die alten Männer, die mir von dem festlichen Ereignis erzählten, gaben zu, dass viele es doch täten. Das sei auch nicht schlimm, solange die Frauen glaubten, sie hätten sich tapfer gehalten. Beim Badeplatz kann man die Ergebnisse derartiger Eingriffe studieren. Wenn der Operierte noch sehr jung ist, nimmt das Glied manchmal eine fast kugelförmige Form an, was mitverantwortlich für die sehr niedrige Geburtenrate bei den Dowayos sein dürfte. Da alle mit demselben Messer beschnitten werden und die Infektionsgefahr entsprechend groß ist, ist die Todesrate beträchtlich. Von Jungen, die infolge der Operation starben, hieß es, Leoparden hätten sie gefressen. Aus der Korrespondenz französischer Kolonialoffiziere geht hervor, wie bekümmert diese über die große Zahl Jugendlicher waren, die angeblich der Leopard gefressen hatte - obwohl doch Leoparden in der Gegend praktisch ausgestorben waren.[5]
- Sehr selten, aber belegt ist das Entfernen der gesamten das Glied bedeckenden Haut, mitunter bis zum Bauchnabel, in einigen Dörfern des Yemen.[20]
- In manchen afrikanischen und mikronesischen Völkern zerquetschen die älteren Männern den jüngeren einen Hoden.[6]
- Die Hijra, eine Sekte in Indien, amputiert anscheinend radikal Penis und Hoden. Inwiefern dies erzwungen wird, lässt sich aus dem Wikipedia-Artikel nicht herauslesen: "Obwohl sehr häufig angenommen wird, dass Hijra sich meistens einer rituellen Kastration und Penektomie unterziehen oder dieses wenigstens anstreben." [21]
Sonstiges
Eine Untersuchung erbrachte das nicht verwunderliche Ergebnis, dass bei keiner einzigen diesbezüglichen Kultur sich die Betroffenen freiwillig dieser Operation unterziehen. Obwohl sicher stets traumatisierend für sie, bestehen allerdings erhebliche Unterschiede in der Durchführung des Rituals und damit auch für die psychischen Folgen. Es ist beispielsweise ein erheblicher Unterschied, ob ein Junge auf der kleinen Pazifikinsel Tikopia, nachdem er seelisch darauf vorbereitet wurde, im Rahmen einer Feier die Vorhaut eingeschnitten bekommt, während seine Verwandten dabei sind und ihn trösten, oder ob etwa ein Junge in der Provinz eines islamischen Staates zum "Haareschneiden" geschickt und dort auf einem Tisch festgehalten wird, während ein Barbier seine Vorhaut abschneidet, so sehr er auch protestiert.
Juristische Grauzone
In dem Aufsatz "Strafrechtliche Konsequenzen auch bei religiöser Begründung" [22] raten die Ärzte Maximilian Stehr, Hans-Georg Dietz und der Jurist Holm Putzke von religiösen Beschneidungen ohne medizinische Notwendigkeit ab. Denn die Entfernung der Vorhaut stelle einen "nicht nur unerheblichen Substanzverlust dar, sie ist mithin eine Verletzung der körperlichen Unversehrtheit", bei der sich der Operateur wegen Körperverletzung strafbar machen könne.[23][24]
Weibliche Beschneidung
Die Beschneidung von Mädchen wird in der Regel von Frauen durchgeführt. Dieser Aspekt, dass die Frauen nicht nur Opfer, sondern zugleich die Täterinnen sind, fällt in der Berichterstattung meist unter den Tisch. Es sind auch die Beschneiderinnen selbst, die sich gegen ein Verbot verteidigen und dabei auch bereit sind Gewalt anzuwenden.[25]
In der islamischen Theologie findet die Beschneidung von Frauen keinen Rückhalt, wurde aber in den Ländern, in denen sie seit Jahrtaussenden praktiziert wurde, passiv geduldet. In jüngerer Zeit findet eine aktive Ächtung der Beschneidung weiblicher Genitalien durch islamische Gelehrte statt. Im November 2006 organisierte und finanzierte TARGET eine Konferenz an der Al-Azhar-Universität in Kairo. Als Ergebnis dieser Konferenz verurteilten führende islamische Rechtsgelehrte die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung. Im März 2009 verurteilte der islamische Rechtsgelehrte und Publizist Yusuf Abdallah al-Qaradawi, der als die wichtigste zeitgenössische Autorität des sunnitischen Islam gilt, in einer Fatwa die genitale Verstümmelung von Frauen als "Teufelswerk" und erklärte sie unter allen Umständen als haram (verboten), da sie gegen die Ethik des Islam gerichtet sei.[26][27]
Internationaler Tag "Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung"
Dieser findet jedes Jahr am 6. Februar statt. Der Tag wird überwiegend von feministischen Organisationen zur Agitation gegen weibliche Genitalverstümmelung benutzt.
In der Fiktion
- In Elfriede Jelineks autobiografisch beeinflusstem Roman "Die Klavierspielerin" verstümmelt sich eine sadomasochistische, geistig gestörte Frau selbst die Genitalien.
- Dasselbe passiert in Lars von Triers deprimierendem Film "Antichrist".
Literatur
-
MANNdat: Genitalverstümmelung bei Jungen und Männern, 23. August 2005 (5 Seiten) (Anmerkungen zu einem Tabuthema)
-
Beschneidung von Jungen. Fragen und Antworten zu einem politischen Tabuthema., Mai 2011 (13 Seiten) (Anmerkungen zu einem Tabuthema)
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Intaktiv - Geschlechterübergreifende Initiative für genitale Selbstbestimmung
- ↑ 2,0 2,1
Informationsbroschüre - Die männliche Beschneidung - Gründe und Hintergründe eines archaischen Rituals - ↑ Männliche Beschneidung als Waffe im "Krieg der Spermien"
- ↑ 4,0 4,1 Wikipedia: Zirkumzision
- ↑ 5,0 5,1 Lebensstadien (Entwicklungsländerstudien): 8.3. Zum Beispiel: Knabenbeschneidung bei den Dowayo in Kamerun
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Rituelle Beschneidungen: Waffe im Kampf der Spermien, Focus am 8. Juni 2008
- ↑ Beschneidungen in der Türkei: Schnitt im Schritt, Der Spiegel am 17. Oktober 2006
- ↑ 8,0 8,1 MANNdat: Genitalverstümmelung bei Jungen und Männern, 23. August 2005,
MANNdat: Genitalverstümmelung bei Jungen und Männern, 23. August 2005 (5 Seiten) (Anmerkungen zu einem Tabuthema) - ↑ 9,0 9,1 9,2 Häufig gestellte Fragen zur Neugeborenenbeschneidung
- ↑ Phimose – Krankheit oder "Lizenz zum Gelddrucken"?
- ↑ Intaktiv Online: Situation in Deutschland
- ↑ LuMriX.net: Zirkumzision
- ↑ Circumcision does not shield men from STD
- ↑ MANNdat: Beschneidung von Männern als Aids-Vorsorge?, 10. Juli 2007
- ↑ 15,0 15,1 Dispatch Online
- ↑ Bei Beschneidungen in Südafrika kamen 33 Jungen ums Leben
- ↑ Tote und verletzte Jungen durch Beschneidungen
- ↑ news.yahoo.com: Botched circumcisions leave 31 dead in S.Africa
- ↑ Boy dies from circumcision related complications, The Herald Online am 1. Juli 2009
- ↑ pi-news.de: Plädoyer gegen die Genitalverstümmelung
- ↑ Wikipedia: Hijra in Indien
- ↑
Strafrechtliche Konsequenzen auch bei religiöser Begründung - ↑ Streit wegen Beschneidung: Grauzone Vorhaut, TAZ am 31. Oktober 2008
- ↑
Die strafrechtliche Relevanz der Beschneidung von Knaben - ↑ Genitalverstümmelung: Rache der Beschneiderinnen, Der Spiegel am 15. Februar 2009
- ↑ Wird die Genitalverstümmelung je aufhören? In Kairo beschliessen islamische Gelehrte ein Verbot., NZZ am 24. November 2006
- ↑ "In schönstem Ebenmaß", Der Spiegel am 4. Dezember 2006
"In schönstem Ebenmaß"
Weblinks
- 21. Rang ergab am 3.4.2012 die Google-Suche nach "Genitalverstümmelung" für diesen Artikel.
- Intaktiv-Online
- MANNdat:
- Genderama: Südafrika - Beschnittener Junge gezwungen, seine eigene Vorhaut zu essen, August 2009
- Genderama-Label "Genitalverstümmelung", "Beschneidung"
- Beratung bei Vorhautverengung: Phimose-Info Deutschland
- Erklärung gegen Massenbeschneidungen von Phimose-Info unterstützt von verschiedenen Männerrechtsorganisationen
- Zirkumzision bei nicht einwilligungsfähigen Jungen: Strafrechtliche Konsequenzen auch bei religiöser Begründung, Dtsch Ärzteblatt 2008; 105(34–35): A 1778–80
- Reimer Zwillinge: Der Sündenfall der Alice Schwarzer? von Bettina Röhl, Cicero
- Blutiger Schnitt. Dass es auch ein Akt der Gewalt gegen Kinder ist, wird dabei ausgeblendet., FAZ am 9. Februar 2011
- FemokratieBlog: Kein neues Gesetz gegen Genitalverstümmelung, 29. März 2012
Siehe auch
- Jungen
- Sexualität
- Gewalt
- Genitalverstümmelung (Tabelle)
- Videos über Genitalverstümmelung
- Selbstbestimmung
| | Dieser Artikel wurde am 25. August 2009 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |
| | Dieser Artikel wurde am 2. Dezember 2010 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |

