Alleinerziehende
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Die Alleinerziehende (Mutter) ist in der öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung oft die Verlassene, ja, die Sitzengelassene, die nicht verzagt und auch nicht den Kopf hängen lässt, sondern alles dafür tut, damit in dieser schwierigen Situation das Kind trotzdem pünktlich zum Klavierunterricht kommt. Dass Frauen möglicherweise alleinerziehende Mütter sind, weil sie es so und nicht anders wollen, kommt in diesem Denkhorizont nicht vor. Noch viel weniger, dass sie es möglicherweise sind, weil sie sich im Kampf ums Sorgerecht gerichtlich durchgesetzt haben. Ganz zu schweigen von der zugegeben zünftig-konservativen Überlegung, dass der Verbleib in der Institution Familie vielleicht die heroischere Leistung wäre. Und es für die Kinder auch von Vorteil wäre, keine Existenzangst haben zu müssen, weil die alleinerziehende Mutter ständig jammert, wie schwer ihr doch alles fällt, wie sehr sie unterdrückt und benachteiligt wird, und sie nicht weiß, wie lange sie das noch schafft. Ohne dass eine ihrer feministischen "Schwestern" ihr groß beistehen würde, trotz allem Gerede von Frauensolidarität.[1]
Weil die Verbindung von Mutter und Kind als eine einzigartig eng gesehen wird, rutscht der Vater in die Rolle einer eher äußerlichen, nur biologischen Ermöglichungsbedingung. Die Mutter kann sich stets hinter dem Wohl des Kindes verstecken, um ihre Forderungen sowohl der Alimentierung wie der Ausübung des vollen Sorgerechts durchzusetzen. Dass sie damit nur verdientermaßen erhält, was der Vater durch seine angebliche Fixierung auf Beruf und Karriere selbstverschuldet preisgegeben hat, ist an böswilliger Schwarz-Weiß-Malerei kaum zu überbieten und hat mit dem Selbstverständnis "moderner" Frauen und Männer kaum mehr etwas zu tun.
Fakt ist: Alleinerziehende sind ein großes Geschäft - zumindest für die Wohltäterindustrie von Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgebern oder "freien" Unternehmen. Und das nicht erst seit gestern. Niemand belegt das besser als die Lobbyisten, die sich schon vor mehr als vierzig Jahren organisiert haben. "Alleinerziehend sein ist eine Erfolgsstory", sagt Edith Schwab. Sie ist Chefin des "Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter". Als man 1967 als "Verband lediger Mütter" anfing, mussten sich die Frauen noch als "sittenlose Weiber" beschimpfen lassen. Doch schon vier Jahre später wurden die Funktionärinnen vom damaligen SPD-Bundespräsidenten Gustav Heinemann geladen und hoffähig gemacht. Danach ging alles ganz schnell. Das altmodische Unehelichenrecht wurde reformiert, das Scheidungsrecht entmoralisiert und finanzielle Nachteile systematisch ausgemerzt. Betreuungskosten für Kinder von Alleinerziehenden zum Beispiel können schon seit 1986 steuerlich abgesetzt werden.[2]
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Statistik
Im Jahr 2007 gab es in Deutschland 1,6 Millionen Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren, das entspricht 18 Prozent aller Familien mit Kindern. In den neuen Ländern liegt ihr Anteil an den Familienhaushalten bei 26%. Diese Gruppe wächst hierzulande nebenbei stetig - vier Mal so schnell wie im Schnitt der OECD-Länder. Mehr als 40% aller Alleinerziehenden leben von staatlichen Unterstützungsleistungen. Tatsache ist: Das Sozialrecht begünstigt Alleinerziehende. Eine Alleinerziehende mit zwei Kindern (3 und 7 Jahre alt) erhält zum Beispiel knapp 1000 Euro monatlich. Hinzu kommen die Kosten für die Unterkunft. Für eine nie erwerbstätige Mutter mit einem Kind - eine nicht untypische Hartz-IV-Biographie - muss der Steuerzahler bis zu ihrem 50. Lebensjahr 445.000 Euro bezahlen, hat die Gießener Ökonomin Uta Meier-Gräwe errechnet. Ökonomen sprechen von einer "perversen Anreizstruktur". Was die staatliche Förderung der Alleinerziehenden aber insgesamt den Steuerzahler kostet, hat bislang noch niemand errechnet. "Der Sozialstaat gleicht immer mehr einem totalitären Regime, das die Familien zerschlägt", sagt der Kieler Sozialphilosoph Wolfgang Kersting.
Berufstätigkeit
Schweiz
Der Grad der Erwerbstätigkeit alleinerziehender Väter und Mütter könnte unterschiedlicher nicht sein.
Bei Kindern unter 7 Jahren gibt die "Volkszählung.Bundesamt für Statistik, Schweiz" (VZ.BFS) für den Zeitraum 1970-2000 eine Abnahme der Vollzeit von 95% auf 80% bei den Vätern und von 45% auf 22% bei den Müttern. Während Teilzeit und Nichterwerbstätigkeit bei den Vätern Randerscheinungen sind, erhöhte sich bei den Müttern die Teilzeit von 20% auf 46% und sank die Nichterwerbstätigkeit von 35% auf 22%.
Wie bereits bei den Vätern in den Paarhaushalten dominiert auch bei den allein erziehenden Vätern mit Kindern unter sieben Jahren ganz klar die Vollzeiterwerbstätigkeit. Allerdings hat sich im Untersuchungszeitraum der Anteil der Vollzeit Erwerbstätigen am Total von anfänglich rund 95% auf rund 80% zu Gunsten einer deutlichen Zunahme der Teilzeiterwerbstätigkeit und einer etwas schwächeren Zunahme der Nichterwerbstätigkeit deutlich reduziert. Bei einer Betrachtung der Resultate für die allein erziehenden Mütter ist offensichtlich, dass bei ihnen ein viel höherer Prozentsatz als bei den allein erziehenden Vätern entweder Teilzeit erwerbstätig oder gar nicht erwerbstätig ist. Damit dominieren auch unter den allein Erziehenden die Merkmale des (traditionellen oder modernisierten) bürgerlichen Familienmodells. Im Vergleich zu den Müttern in Paarhaushalten sind die allein erziehenden Mütter jedoch wesentlich stärker in die Erwerbsarbeit eingebunden.[3]
- Grafik: Erwerbsgrad alleinerziehender Väter und Mütter (Können wir diese Grafik hier direkt einbinden?)
- Frauen- und Gleichstellungsatlas Schweiz (Noch auszuwerten!)
Einzelnachweise
- ↑
Die Alleinerziehende als Vorzeigeopfer - ↑ Alleinerziehende: Die Hätschelkinder der Nation, FAZ vom 24.1.2010
- ↑ Statistik Schweiz - Erwerbsgrad allein Erziehender
