Jungenbildung

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In der heutigen Zeit zeigt sich, dass die Jungen Bildungsverlierer sind. Jungs lesen kaum, sie schneiden in allen Bereichen schulischer Bildung schlechter ab als die Mädchen und sind als Jugendliche stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als ihre weiblichen Kollegen. Dies wird von verschiedenen Studien festgestellt und belegt.

Inhaltsverzeichnis

Bildungsbenachteiligung als Ursache der Misere

Die Ursache für die Bildungsmisere der Jungen (alle Bereiche möglicher Förderung und Zurücksetzung vom Kindergarten angefangen über sämtliche Schultypen bis zu Berufsausbildung, Studium und spätere Weiterqualifizierungen im Bereich der ausgeübten Tätigkeit betreffend) liegt in einer umfassenden, massiven Benachteiligung der Jungen innerhalb des Bildungssystems und seiner Struktur und in der aktuellen Pädagogik. Sie sind Folgen einer jahrzehntelangen, mittlerweile grenzenlosen und als maßlos zu wertenden, alles umfassenden Frauenförderpolitik. Förderungen für Jungen im Kindergarten- und Schulkindalter werden gar nicht oder selten angeboten. Wenn, dann geht es nur um die Aberziehung typisch männlicher Eigenschaften Jungen. Auch im Bereich private Bildung sind Jungs benachteiligt, teils, weil auch dort kaum Angebote bestehen, teils, weil deren Eltern selbst unter feministischen Einflüssen groß geworden sind, die Ursachen der Misere nicht erkennen und sie als gegeben hinnehmen. Fundamente auf denen die Schule aufbauen könnte sind oft rudimentär. Gleichzeitig gibt es in der Politik angesichts dieser Zustände kein Verständnis.

„Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen. Wenn es den Mädchen schlechter gehen würde, krähe kein Hahn danach“ (Jugendministerin Ursula von der Leyen (CDU), in einem Interview in der Berliner Zeitung 29.09.2006)

So die Ministerin, die sich für Chancengleichheit für Mädchen und Frauen einsetzt und kraft ihres Amtes dieses Recht auf Chancengleichheit auch Jungen zugestehen müsste.

Im Schulalltag selbst werden Jungen benachteiligt. Sie werden häufiger ermahnt, werden als unruhig empfunden. Sie haben es bei den Gymnasiumsempfehlungen schwerer und bekommen von vornherein für gleiche Leistungen schlechtere Noten. [1]

Das Bildungssystem

Selbst bei gleichen Startbedingungen fallen die Jungen im Laufe der Schulzeit zurück – ein Verdienst der heutigen Pädagogik. [2] [3]

Bildungssystem und Ansprüche an die Jungen

So wundert es nicht, wenn an den Schulen im Unterricht an die Jungen einerseits Anforderungen gestellt werden, die sie nicht erfüllen können (wie z.B. brav stillsitzen über lange Zeit, sich nicht mucksen, immer schön 'ja' sagen, nicht zuviel nachfragen...), andererseits Anforderungen an sie nicht gestellt werden, die Jungsverhalten unterstützen würde (sich durchsetzen lernen, lernen durch Bewegung und Anfassen, hinterfragen, logische Zusammenhänge nachvollziehen, auch unkonventionelle Wege gehen, kreativ sein – im Sinne des Ergebnisses und nicht aus Selbstzweck heraus und lernen mit eigenen Aggressivitäten umzugehen). Sie sollen typisch weibliche Verhaltensweisen annehmen, zu (zweitklassigen) Mädchen erzogen werden. Jungen werden permanent nicht gefördert und unterfordert. [4]

Den Kindern soll ihre Geschlechtlichkeit aberzogen werden. Für die Mädchen ist es insofern schädlich, als dass sie dazu erzogen werden, keine Verantwortung und keine Pflichten mehr zu übernehmen und sich (damit) durchzusetzen. Für die Jungen ist es schwerer – ihnen wird eine männliche Entwicklung vorenthalten und eine Identifizierung mit ihrer Geschlechtlichkeit aberkannt. Sie sollen "mit Püppchen spielen und die Klappe halten". Das Zauberwort heißt "Gender Mainstreaming".

Diese Ideologie hat auch Einzug in die Pädagogik gehalten. [5]

Ein weiterer Punkt im Kreis der Benachteiligungen und schlechten Bildungsvoraussetzungen für Jungen ist das Bildungssystem selbst. Es ist zu einem Apparat mutiert, der in seiner weiblichen Ausrichtung unfähig geworden ist, auf Jungen und ihren Bedürfnissen einzugehen, da sie eher als laut und störend empfunden werden

Das Bildungssystem ist weiblich

Jungen und Männer in Deutschland, 2007

Nachfolgend sind die prozentualen Anteile von Männern am gesamten Lehrpersonal aufgelistet. Die drei jeweils niedrigsten Werte sind fett gekennzeichnet.

Land Anteil männlicher Lehrer in % (2004/2005)

Grundschulen Gymnasien Sonderschulen
Baden-Württemberg 19,9 52,6 31,0
Bayern 14,7 55,7 30,4
Berlin 10,3 40,1 18,6
Brandenburg 5,0 24,6 13,7
Bremen 13,5 56,5 31,3
Hamburg 13,9 55,8 27,1
Hessen 24,0 52,4 27,5
Mecklenburg-Vorpommern 5,2 28,4 12,6
Niedersachsen 12,8 52,6 28,6
Nordrhein-Westfalen 11,3 52,8 26,4
Rheinland-Pfalz 14,8 51,8 33,5
Saarland 24,4 56,7 33,4
Sachsen 4,5 30,8 14,4
Sachsen-Anhalt 5,0 28,6 15,8
Schleswig-Holstein 12,7 54,0 26,7
Thüringen 5,8 31,7 15,3
Deutschland Gesamt 13,4 48,8 25,8

Quelle für 2004/2005: Statistisches Jahrbuch 2006, pdf-Version, Seite 129 (Angaben für Hamburg lt. Quelle für Schuljahr 1996/97)

Demnach gibt es an Grund- und Sonderschulen vergleichsweise wenige Männer. Es ist ebenfalls erkennbar, dass die „Gleichberechtigung“ im Sozialismus auch auf diesem Gebiet bleibende Schäden hinterlassen hat. Der Anteil der Männer ist in den Neuen Bundesländern am geringsten.

Die Verweiblichung des Bildungssystems bringt es mit sich, dass den Jungen die männlichen Vorbilder fehlen. Dadurch haben sie in ihrer eigenen Entwicklung keine Orientierung mehr, sie können sich nicht mehr mit männlichen Vorbildern identifizieren. [6]

Wandel der Pädagogik

Die Benachteiligung von Jungen ist politisch gewollt. »[...]die Anerkennung der Mädchen kann nur auf Kosten der kleinen Buben geschehen.« (Marianne Grabrucker in »Typisch Mädchen« 1985; aus Schmauch, U. (2005): Was geschieht mit den kleinen Jungen? – Ein persönlicher Blick auf die Entwicklung des Jungenthemas von den 70er Jahren bis heute. In: Rose, L./Schmauch, U. (Hrsg.): Jungen – die neuen Verlierer? Königstein/Taunus: Ulrike Helmer Verlag, S. 29.).

»Wenn wir wirklich wollen, dass es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen.« (Frauenzeitschrift EMMA 1986; aus Schmauch, U. (2005): Was geschieht mit den kleinen Jungen? – Ein persönlicher Blick auf die Entwicklung des Jungenthemas von den 70er Jahren bis heute. In: Rose, L./Schmauch, U. (Hrsg.): Jungen – die neuen Verlierer? Königstein/Taunus: Ulrike Helmer Verlag, S. 29.)

Man gestaltete das Schul- und Bildungssystem um, um es mehr und mehr den Mädchen anzupassen. Sie sollten in die Lage versetzt werden, bessere Ergebnisse zu erzielen und bessere Voraussetzungen vorzufinden. So wurden Lehrpläne geändert und mehr Frauen eingestellt. Beide Elemente, das Verändern Lehrpläne und der mittlerweile übergroße Frauenanteil am Lehrkörper haben dazu beigetragen, dass die Jungen zurückgedrängt wurden. Die Jungen fanden nun nicht mehr vor, was sie zu einem umfassenden Lernen benötigen. Die Themen des im Unterricht zu vermittelnden Stoffes änderte sich. Es gelangten Themen in den Vordergrund, die insbesondere Mädchen interessierte. Gleichzeitig wurden Jungenthemen verdammt.

So berühren auch die Themen angebotener Bücher für Kinder und Jugendliche insbesondere Mädchenthemen. Jungs lesen kaum. Diesen Zustand zu ändern, gibt es mittlerweile einige Initiativen. So hat der Thienemann-Verlag eine Reihe mit Jungs-Büchern herausgegeben. Bei MANNdat e. V. gibt es eine Jungen-Leseliste [7], es gibt das allgemeine Leseförderprogramm „Antolin“ [8] als eine Form der interaktiven Leseförderung.

Ritalin – die Wunderdroge?

Ritalin (Wirkstoff Methylphenidat) zählt zur Gruppe der Amphetamine und ist daher verschreibungs- und seine Verschreibung meldepflichtig. Die Wirkung lässt sich mit der von Kokain oder ähnlicher Stoffe vergleichen. Man verwendet es auch für die Behandlung von Narkolepsi. Die Zunahme der Verwendung dieser Droge in den letzten Jahren geht jedoch auf die Behandlung von ADD-Kindern zurück. [9]

Dieses Ritalin wird nun vermehrt Jungs verschrieben, um sie ruhig zu stellen. Sie sollen damit in die Lage versetzt werden, die in der Schule gestellten Anforderungen erfüllen zu können. Man diagnostiziert lieber ein Krankheitssymptom, als dass man die Ursache angeht. Ritalin verändert die Persönlichkeitsstruktur. Gerade Jungen in der Pubertät und der präpubertären Phase haben die Konsequenzen oft ein Leben lang zu tragen. Depressionen, evtl. Süchte und andere Krankheiten sind insbesondere nach dem Absetzen des Stoffes keine Seltenheit. Zudem kann Ritalin nicht „behandeln“, sondern nur „begleiten“.

Aussichten, Tendenzen, Auswirkungen

Bleibt die momentane Entwicklungsrichtung erhalten, werden die Probleme unserer Jungen massivere Formen annehmen. Aggressivität nach innen und nach außen werden verstärkt werden. Schon jetzt liegt z. B. die Suizidrate bei männlichen Jugendlichen ca. 12mal höher als bei weiblichen. Starke Formen von Gewalt, wie Amokläufe, sind als Hilfeschreie zu werten. Sie zeigen, dass Jugendlichen keinen Lebensraum mehr in der Gesellschaft haben. Dazu kommen totale Orientierungslosigkeit, nicht nur Bildung und Berufsmöglichkeiten betreffend, sondern die gesamte Persönlichkeit umfassend.

Das Niveau des Gelernten und der allgemeinen Bildung sinkt. Statistiken zeigen die Gründe, warum die meisten Ausbildungsberufe nicht angetreten werden konnten. [10]

Momentane Jungenarbeit besteht aus "Anti-Aggressionskursen für Jungen“ und dem vor Kurzem in die Wege geleiteten „Neue Wege für Jungs“. Man hat sich in der Sackgasse festgefahren.

„Männer sollten durch die Wehrpflicht gehindert werden, damit Frauen im Leben aufholen können“ (Fr. Prof. Dr. Däubler-Gmelin) Ein Zitat, dass deutlich macht, wie politisch agiert wird. Jungen und Männern soll es schwer gemacht werden.

Wege, Auswege, Neue Wege

"Die OECD hat in ihrer ersten PISA-Studie 2000 schon resümiert, dass die schlechte Leseleistung von Jungen eine große bildungspolitische Herausforderung darstellt. 2003 hat die OECD nochmals Jungenleseförderung als primäres Bildungsziel weltweit formuliert." [11]

Bei der Aktion „Neue Wege für Jungs“ werden Jungs in sog. Frauenberufe gedrängt, um den Frauen den Weg freizumachen zu Chefstellen und gut bezahlten Jobs (keine gefährlichen Jobs natürlich). Es handelt sich hierbei also um kein Bildungsförderungsprojekt. Es wirkt der Jungenmisere nicht entgegen.

Selbst wenn man davon ausginge, dass das Rollenverhalten, das als geschlechtstypisch angesehen werden kann, erlerntes Verhalten wäre, kann man es nicht ohne weiteres verändern. Denn dann wäre es über einen großen Zeitraum hinweg, aus bestimmten Aufgaben erwachsend, angeeignet worden. Das ließ sich nicht innerhalb von kurzen Jahren oder Jahrzehnten „aberziehen“. Diese Frage stellt sich also gar nicht.

Erste Schritte aus der Misere können sein:

  • die Jungen als Jungen behandeln
  • schulische und außerschulische Angebote machen, die auf die Entwicklung der Persönlichkeit ausgerichtet und ergebnisorientiert sind (Jungenthemen)
  • Voraussetzungen schaffen, die dem Verweiblichen des Bildungssystems entgegen wirken (keine Bevorzugung von Frauen bei der Einstellung von Lehrkräften und im Studium)
  • Leseprojekte speziell für Jungs schaffen (Lesekompetenz ist Grundkompetenz)
  • die Lehrpläne den Anforderungen der Jungen entsprechend entwickeln, einbeziehen von Jungenthemen

Einzelnachweise

  1. ftd-Forschung
  2. echo-online: Jungen auch in Hessen Bildungsverlierer
  3. Jungen sind die Verlierer im deutschen Bildungssystem (Focus-Schule)
  4. MSW und MGFFI haben die Gender-Perspektive in Materialien zur Qualitätsentwicklung im Ganztag aufgenommen, LVR-Landesjugendamt Rheinland, Köln
  5. Gender-Pädagogik
  6. Interview des Spiegels mit Ute Erdsiek-Rave
  7. Die Jungenleseliste
  8. Antolin: Mit Lesen punkten!
  9. Ritalin (Methylphenidat)
  10. Warum konnten Ausbildungsplätze nicht besetzt werden? (http://de.statista.com)
  11. Dr. Bruno Köhler, Berücksichtigung jungenspezifischer Belange in den für Bildung zuständigen Ministerien in Deutschland 2008, MANNdat

Siehe auch

Weblinks

Persönliche Werkzeuge